Wie beim ersten Palliativtag vor einem Jahr in St. Gallen, gab es wiederum eine beeindruckende Zahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die mehrheitlich an der Basis, direkt mit den Schwerkranken arbeitenden Fachleute waren wieder ein interessiertes und motivierendes Publikum. Die Pflege war breit vertreten und auch Ärzte, freiwillig Helfende und im spirituellen Bereich Arbeitende waren anwesend. Der grosse Konferenzsaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Nachdem am ersten Palliativtag verschiedenste Aspekte der palliativen Versorgung vorgestellt worden waren, ging es diesmal hauptsächlich um die interdisziplinäre Zusammenarbeit.

 

Zwei gelungene Referate am Morgen liessen auch Aussenstehende erahnen, wie stark die Betreuung Schwerkranker und Sterbender von der Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure abhängt. Diese Zusammenarbeit bedingt, neben der jeweiligen Fachkompetenz und einer wertschätzenden Grundhaltung, auch eine weit entwickelte Fähigkeit zur Kommunikation und zum Einfühlen in die Lebenswelt des anderen. Die Vorträge zeigten einleuchtend auf, dass viele Probleme die das Gesundheitssystem heute hat, mit vertikalen Strukturen kaum mehr zubewältigen sind. Es entstehen immer mehr feinmaschige Netze, in denen viele verschiedene Kompetenzen miteinander ergänzend verwoben werden können. Daran beteiligen sich im Falle der Palliaitve Care die betroffene Patientin, der Facharzt, die Pflegefachfrau und der betreuende Angehörige oder die freiwillige Helferin. Dazu können noch ganz verschiede Fachleute wie die Psychologin oder der Theologe kommen. Nach aktuellen Definitionen von wirksamer, wissenschaftlich abgestützter Pflege sind die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten auf gleichem Niveau mit den Ergebnissen von wissenschaftlichen Studien und der Erfahrung der Fachleute in eine Entscheidungsfindung miteinzubeziehen (1). Solche Botschaften wurden uns auch durch den Leiter des Bachchores St. Gallen, Rudolf Lutz, auf sinnliche Weise übermittelt. Nach Beispielen aus der Orchesterarbeit und durch praktische Üebungen konnten wir live erleben wie erfolgreiche Zusammenarbeit Freude macht. Alles in allem ein origineller und gelungener Vergleich zwischen der Zusammenarbeit und Rollenverteilung in einem Orchester und den verschiedenen Rollen in der palliativen Medizin, Pflege und Betreuung.

 

Auch Prof. Dr. Andreas Heller aus Wien bediente sich einiger Beispiele aus der Musik als er mit viel Engagement und Erfahrung über die Wichtigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit sprach. Er sagte „die Orchestrierung des Lebensendes ist eine multidisziplinäre Aufgabe“ oder „Patienten schreiben die Symphonie ihres Lebensendes“ und sprach von der Wichtigkeit des gegenseitigen Vertrauens und Respekts und wie hilfreich es ist voneinander zu lernen. Neben seinen Ausführungen zur Teamarbeit wies Prof. Heller auch darauf hin, dass nach den grossen Ideen auch immer die kleinen Ideen und kleinen Taten folgen müssen um eine Idee zur Umsetzung zu bringen (2).

 

Eine Persönlichkeit die einer grossen Idee auch viele kleine Ideen und Taten folgen liess, hielt ebenfalls ein Referat. Kantonsrätin Frau Dr. iur. Marlies Näf-Hofmann berichtete uns in eindrücklichen Worten, wie sie sich im Kanton Thurgau seit langem und offensichtlich sehrintensiv für eine gesetzliche Verankerung des Rechts auf Palliative Care stark macht. Nach einer Mittagspause die auch zur Vernetzung und zum gegenseitige Kennenlernengenutzt werden konnte, ermöglichte der Workshop „Schnittstellen in der Palliative Care: Grenzüberschreitendes Dilemma oder fruchtbares Zusammenspiel“ mitzuerleben wie einfach Zusammenarbeit sein kann, wenn man sich die Zeit für den Austausch nimmt und einander gut zuhört. Hausärzte und Mitarbeitende von Spitälern und Spitex konnten einander sehr wohl und in einfachen Worten mitteilen, wo sie die Stärken des Gegenübers sehen und wo sie noch offene Wünsche hätten. Beispielsweise wurde an die Spitäler die klare und eindeutige Rückmeldung gegeben, dass eine strukturierte Übergangspflege die Arbeit der externen Partner eindeutig erleichtert und die Betreuungsqualität verbessert. Von der Musik bis zum praktischen Beispiel fand ich den 2. Palliativtag Ostschweiz ausserordentlich gelungen und möchte die Präsidentin und die Organisatorinnen und Organisatoren zu ihrer Arbeit beglückwünschen.

 

GESUNDHEITSDEPARTEMENT DES KANTONS ST.GALLEN

Fachbereich Pflege

Roswitha Koch, MCommH

 

 

(1) Berg, A., Schlopsna, L., Webke, R.S. (2003) Evidende-based Nursing – in der Praxis umsetzbar? Ein Praktikumbericht aus der Klinik für Tumorbiologie, Freiburg i.Br. PR-Internet, 7-8/03, Angewandte Pflegeforschung, 34 – 41.

 

(2) Ludwig Hohl, Die Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung (1981) Frankfurt

Druckversion
© 2005 all rights reserved | Rechtliche Hinweise | Impressum