Nach der Aufbauphase: Palliativnetz Ostschweiz richtet fixe Geschäftsstelle ein
St. Gallen. Das Palliativnetz Ostschweiz möchte die Zusammenarbeit unter den beteiligten Institutionen und Organisationen stärken. Mit dem Ziel, bekannter zu werden im Kanton.
"Palliativpflege verbinden viele Menschen mit Sterbebegleitung", sagt Cornelia Knipping, Präsidentin Palliativnetz Ostschweiz. Eine zu einseitige Sicht, wie die Pflegefachfrau betont. "Palliativpflege ist die mildernde, pflegende Begleitung schwer kranker Menschen." Sie ermöglicht, schwierige Krankheitssituationen gemeinsam mit Angehörigen und Organisationen so zu bewältigen, dass der schwer kranke Mensch zu Hause bleiben und dennoch die richtige Pflege erfahren kann.
Feste Geschäftsstelle einrichten
So, wie es beim Verständnis von Palliativpflege hapert, so mangelt es an Bekanntheit des Palliativnetzes Ostschweiz. Und das, obwohl dem Verein heute 180 Fachpersonen aus Medizin, Pflege, Sozialarbeit, Psychologie und Seelsorge angehören. Als erster Schritt soll daher die derzeit "mobile" Geschäftsstelle - Vorstandsmitglied Claudia Buess betreut sie im eigenen Büro zu Hause - ausgebaut werden. Ab Sommer richtet das Palliativnetz Ostschweiz bei der Krebsliga St. Gallen-Appenzell eine fixe Geschäftsstelle ein. Claudia Buess versteht die Stelle als "massgebliche Informationsdrehscheibe". "Sie begleitet nicht unmittelbar Betroffene. Sie berät, informiert und vernetzt vielmehr Betroffene, Angehörige, Fachpersonen und Institutionen." Von Sommer bis zum Jahresende wird Präsidentin Cornelia Knipping die neue Geschäftsstelle interimsweise leiten und aufbauen. Danach wird die Stellenleitung ausgeschrieben und auf Januar 2006 besetzt.
Personal ausbilden
Ein weiteres wichtiges Anliegen, neben der Information, ist dem Palliativnetz Ostschweiz die Ausund Weiterbildung von Medizin- und Pflegepersonal. "Das beste Netzwerk von Dienstleistungen und Institutionen nützt nichts, wenn die Umsetzung in der Praxis nicht klappt, weil das Personal nicht entsprechend geschult ist", sagt Steffen Eychmüller, Ärztlicher Leiter Palliativstation amKantonsspital St. Gallen. Weshalb die Schweiz bei der Palliativpflege gegenüber dem Ausland derart hinten nach hinkt, ist dem Arzt rätselhaft - und selbst unter finanziellem Aspekt unverständlich: "Wenn ein schwer kranker Mensch zu Hause gepflegt werden kann statt ins Spital verlegt werden zu müssen, so spart das enorm Kosten." Die Palliativstation am Kantonsspital St. Gallen besteht seit über zehn, das palliative Ambulatorium seit zwei Jahren.
"Heute bieten in St. Gallen auch geriatrische Institutionen wie das Bürgerspital oder die Pflegeheime Lindenhof und Heiligkreuz palliative Betreuung an", sagt Claudia Buess. Das nach gezielten, hausinternen Schulungen.
Kantonsgebiet abdecken
Es fällt auf: Die palliativen Angebote konzentrieren sich auf die Stadt St. Gallen und Umgebung.Durch gezielte Kurse für Pflegefachleute will das Palliativnetz Ostschweiz das Wissen ins übrigeKantonsgebiet hinaustragen. So soll das Angebot des palliativen Brückendienstes flächendeckendausgebaut werden. 2004 hatte der Dienst 68 Patienten zu Hause betreut. Die jährlichen Kostenfür den Dienst betragen 70 000 Franken. Ein Viertel könne über die Krankenkassen abgerechnet werden, den restlichen Aufwand bezahle die Krebsliga, sagt Regula Schneider. Für die Geschäftsleiterin der Krebsliga St. Gallen-Appenzell ist daher klar: "Ein Ausbau ist ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung nicht möglich." Ein kantonsweites Angebot lasse sich über Spenden allein nicht tragen. Die Verantwortlichen des Palliativnetzes Ostschweiz machen auchkeinen Hehl daraus: Eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton käme ihnen gelegen. Patronatskomitee gründen Hinter dem Palliativnetz Ostschweiz steht der Förderverein "Pro Palliative Betreuung". Er ist einZusammenschluss privater Personen und verantwortlich für die Geld- und Sponsorensuche. AmSamstag, 5. März, 17 Uhr, findet in der Linsebüelkirche St. Gallen ein Benefizkonzert statt. Gleichentags wird ein Patronatskomitee von Palliativnetz und Förderverein gegründet. Ihm gehören 40 Personen an, unter anderem Gesundheitschefin Heidi Hanselmann.
Text: Regula Weik Bild: Hanspeter Schiess
03.03.2005, St.Galler Tagblatt
« zurück


